Berlin Adler

Adler der ersten Stunde, Frank- Peter Schmidt verstorben

Als die Adler noch Bären waren, da trug er bereits ihr damals noch rotes Trikot: Frank-Peter Schmidt gehörte als Kicker zum Ur-Team des Berliner American Footballs. Statistiken sind nicht überliefert, spielen und spielten keine Rolle, dabei sein war alles. Vor allem für „Schmitti“, der immer dort zur Stelle war, wo gerade Not am Mann war. Damals und für mehr als drei Jahrzehnte danach für die Berlin Adler und den gesamten deutschen American Football.

So saßen sie dann also (fast) alle bei ihm in der engen Bude in Friedenau: Zwei Offensive Linemen pro Sessel, die Defense auf der Couch irgendwie übereinander gestapelt und der Rest hockend auf dem Boden. Hier waren der AFN-Empfang und mit ihm NFL-TV-Übertragungen dank diverser von ihm geschickt verkabelter Zusatzgeräte gesichert.

Mochte er noch so oft behaupten, eigentlich ja zum „nicht-technischen Dienst“ beim Zoll zu gehören, seine Freunde im Adler-Horst wussten, wer ihnen zur Seite stand: „Ey, Schmitti, irgendwas stimmt hier nicht an der Schraube am Helm, kannste mal gucken?“ „Sag’ mal, ‘FP’, fährst du kurz zum Supermarkt, 90 Liter Wasser holen, ham wa vergessen, Geld musste mal auslegen…“ „Du, die Jugend spielt Sonntag um neun Uhr, bei dem Regenwetter muss einer um sechs Uhr noch mal nachkreiden, machste, oder?“

Schmitti konnte immer. Und er wollte es auch genau so. Er wusste, so würde dieses Pionier-Team des deutschen American Footballs funktionieren, wenn immer wieder neu improvisiert wurde und er sich nicht zu schade für irgendetwas war. Die Fangemeinde wuchs tatsächlich, sie kannte vor allem seine Stimme als Stadionsprecher. Doch waren diese drei Stunden nur ein kleiner Teil seines typischen Adler-Arbeitstages. Der erste morgens im Stadion war eigentlich immer er, und am Abend übergab praktisch sowieso nie jemand anderes die Schlüssel dem Platzwart, nachdem die letzten drei Säcke Müll in sein Auto gewuchtet waren.

Was für den einzelnen Spieltag galt, spiegelte sich für eine gesamte Saison. In den wilden 80er Jahren spielten und trainierten die Adler beinahe jährlich auf anderen Sportplätzen. Wann immer ein Bezirksamt wieder einmal einem Fußball-verrückten Platzwart die Anweisung erteilt hatte, diese bekloppten Footballer gegen dessen Willen auf sein „Heiligtum“ von Rasen zu lassen: Es war Frank-Peter Schmidt, der beim Erstkontakt zwischen zwei Sportwelten von Praktiker zu Praktiker den American Football vertrat. Welch ein Glück für die Sportart! Aus Misstrauen wurde gegenseitige Wertschätzung. Am Ende hatten sie insgeheim die Adler als Gäste lieber auf ihren Anlagen als ihren Stamm-Fußballverein. Manches war danach nämlich repariert oder sauberer als vorher.

Dies sprach sich berlinweit herum: In der legendären Schöneberger Radrennbahn und schließlich gar beim German Bowl 1988 im Berliner Olympiastadion durften die Adler oder der deutsche Verband Gerätschaften wie etwa die Anzeigetafel oder im Olympiastadion die sündhaft teure und damals modernste Videoleinwand in Deutschland in Eigenregie benutzen. War so von den strengen Regelungen im Umgang mit öffentlichem Eigentum zwar nicht vorgesehen und hätte eigentlich teures zertifiziertes Fachpersonal benötigt – „aber wenn der Frank-Peter Schmidt das macht, dann geht das selbstverständlich in Ordnung.“

Die Erfolgswelle der Adler nahm Tsunami-Maße an, „Schmitti“ stand wie der Fels in der Brandung seinen Mann wie eh und je. Die meisten der so zahlreichen Yards und Punkte der 80er und 90er Jahre wurden an Linien vermessen und vergeben, die „FP“ für seine Rekordjäger gekreidet hatte. Stets mit dem für das Schwarz-Gelb der Adler schlagenden Herzen, bei Wind und Wetter, frühmorgens bis spätabends.

Auch die Pläne und Visionen der „Macher“ wurden größer. Er blieb der Kunst des Machbaren verhaftet, rettete manchen Blütentraum in letzter Sekunde. Manchen aber auch nicht. Wer viel schuftet, dem geht auch mal etwas schief, und vielleicht nicht immer hörten er und Vorstand sich gegenseitig so zu, wie es wünschenswert gewesen wäre. Als einer der Equipment-Manager bei den deutschen Nationalmannschaften der Herren oder der Junioren übernahm er also zusehends dort mehr Aufgaben als noch neue im eigenen Verein.

So durfte er die sechste deutsche Meisterschaft der Adler als erste auch einmal von der Tribüne so richtig genießen. Wie unermesslich sein Anteil an den ersten fünf der Herren und den Erfolgen der anderen Abteilungen des Vereins gewesen ist, wissen alle Spieler und Trainer, die dabei waren, sehr genau.

Am 26. Februar 2019 ist Frank-Peter Schmidt im Alter von nur 60 Jahren gestorben, Plötzlich, unvermittelt und ohne voran gegangenes Leid. Falls es irgendwie möglich wäre, würde er weiter den Adlern die Daumen drücken, mit seinen Los Angeles Rams auf den Super-Bowl-Triumph warten und vielleicht künftig auch die NFL-Raiders in einem seiner Lieblingsurlaubs-Domizile Las Vegas willkommen heißen. Dort war der bekennende „Trekkie“ Stammgast der Star Trek Conventions. „Live long and prosper“. Ersteres blieb ihm verwehrt, dass aber Football bei den Adlern, in Berlin und in Deutschland prosperiert, war ihm der größte Lohn für seine Mühen.

Die Berlin Adler werden Frank-Peter Schmidt nie vergessen.

Foto:Michael Hundt